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041 Zeichne ich von einer beliebig eingestellten QUANTEC-Raumsimulation die Impulsantwort auf, und schicke diese dann durch meinen Faltungshall, dann bleibt stets die Räumlichkeit komplett auf der Strecke. Ganz besonders vermisse ich ...

Zeichne ich von einer beliebig eingestellten QUANTEC-Raumsimulation die Impulsantwort auf, und schicke diese dann durch meinen Faltungshall, dann bleibt stets die Räumlichkeit komplett auf der Strecke. Ganz besonders vermisse ich, um mal eine Zahl zu nennen, die sagenhaften 20-50 Meter Raumtiefe der Sakralbauten. Einfach platt - in Luft aufgelöst. Mache ich etwas falsch, oder hat QUANTEC da einen cleveren Kopierschutz eingebaut?

Sie machen weder etwas falsch, noch greift ein Kopierschutz. Es geht eben nicht.

QUANTEC kann doch nicht behaupten, dass etablierte mathematische und physikalische Verfahren wie Faltung und Fourier-Transformation ausgerechnet bei der Raumsimulation versagen.

Hat auch keiner behauptet. Selbstverständlich funktioniert die Faltung - Sie hören ja astreinen Hall. Es fehlt lediglich dessen räumliche Tiefe, die durch Ihre Manipulation verschütt gegangen ist.

Stimmt, astrein isser. Und an welcher Stelle ist die Räumlichkeit auf der Strecke geblieben?

Ganz am Streckenanfang - direkt bei der Einspeisung.

Mal konkret: zuerst gebe ich einen Knack auf den linken Eingang und zeichne die Impulsantwort an beiden Ausgängen auf. Dann einen Knack auf den rechten Eingang, und wieder beide Ausgänge aufzeichnen. Was ist daran falsch?

Sie haben bislang lediglich zwei, nennen wir es mal "Labyrinthe", gesampelt: eines für 100% links und eines für 100% rechts. Wollen Sie denn mittig, halblinks, halbrechts und den ganzen Rest nicht auch sampeln?

Mooo-ment! - Ich habe zwei Labyrinthe - eines für links, eines für rechts. Wenn ich ein Mittensignal, also Mono, in beide Labyrinthe gleichzeitig einspeise, dann kommt am Ausgang natürlich die Summe beider Labyrinthe raus. Dies sollte doch im Prinzip für alle Panpot-Einstellungen gelten, oder?

Bei der Raumsimulation haben wir aber keine zwei Labyrinthe aus Delaylines, sondern hunderttausende im Raum verteilte Resonatoren. Aus dem Zusammenspiel aller Resonatoren - und nur daraus - entsteht die sagenhafte Räumlichkeit.

Speisen Sie testweise ein Sinussignal in feinsten Frequenzschritten (<<1Hz) ein, dann würde eine nicht vorhersehbare Untermenge dieser Resonatoren, abhängig von den momentanen Phasen- und Amplitudenverhältnissen an den beiden Eingängen, mehr oder weniger stark angeregt werden, während andere überhaupt nicht reagieren. Zudem ist nicht vorhersehbar, ob ein bestimmter Resonator auf links, rechts, oder evtl. nur dann reagiert, wenn zwischen den beiden Eingangskanälen ein bestimmtes Phasen- oder Amplitudenverhältnis gegeben ist. Mit anderen Worten: genauso zerklüftet, wie das Amplituden- und Phasenverhalten eines einzelnen Labyrinths, ist bei der Raumsimulation auch das Übersprechen zwischen den beiden Labyrinthen. Der springende Punkt ist, dass hier hunderttausende Resonatoren schon bei geringsten Frequenzverschiebungen wild durcheinander wirbeln, während Ihre beiden Labyrinthe, unabhängig von der Frequenz, stets stur die Vektorsumme liefern - das kann doch am Ende nur noch fad klingen.

Da ich mit meinem Ansatz in der Tat einen Großteil der gesampelten Resonatoren auf Gleichschritt zwinge, kann ich Ihr Argument für Laufzeitstereophonie durchaus gelten lassen. Leider bricht die Räumlichkeit aber bereits bei reiner Intensitätsstereophonie zusammen. Habe ich noch etwas wichtiges übersehen?

Wegen des diffusen Übersprechens im simulierten Raum wäre es durchaus vorstellbar, dass ein bestimmter Resonator an einer definierten Stelle im Raum sowohl durch den linken, als auch durch den rechten Eingang angeregt wird. Nicht aber, wenn Sie Mono in beide Eingänge einspeisen. Bei Mono könnte die reale Raumsimulation zufällig ein Resonanzloch liefern. Ihre Faltungskopie dagegen liefert, wie bei allen anderen Frequenzen auch, weiterhin unbeirrt die Summe, einen Peak also. Weil Sie diese typischen Anomalien nämlich vorhin beim Sampeln gar nicht erfasst haben. Doch schon 1 Hz weiter könnten beide Versionen wieder zusammen passen, und 2 Hz weiter ist dann wieder alles ganz anders.

Kurz gesagt: beim Fingerabdruck Ihres Raumes haben Sie die "Übersprechdomain" vergessen.

Photo: Timothy K. Hamilton

Ein Schritt zur Seite von gerade mal ¼ Pfeifenlänge verändert deren individuelle IR-Signatur im Raum drastisch: wo eben Peaks waren sind jetzt Löcher. - Photo: Timothy K. Hamilton.

Dann ist es offenbar tatsächlich nicht möglich, den QUANTEC-Raumsimulations-Algorithmus mit Hilfe eines Faltungs-Plug-ins nachzumachen?

Doch, eine spezielle Konfiguration gibt es, bei der es doch 100% identisch funktioniert.

Und die wäre?

Der Trick ist, die nicht erfassbare "Übersprechdomain" einfach auszuhebeln. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Yardstick stets durch ein Monosignal gespeist wird. Einfach den Knack auf die L/R-gekoppelten Eingänge, von beiden Ausgängen die IR aufzeichnen, und dann ab in die Faltung!

Und mit diesem Trick klingen dann Yardstick und dessen gefaltete IR absolut identisch?

Absolut - jetzt sind nämlich beide platt.

www.quantec.com/?id=faq041
Feb 2010, aktualisiert Aug 2011

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