Wie hoch ist eigentlich die Eigenresonanzdichte beim QUANTEC-Raummodell?
Dies hängt selbstverständlich stark von der eingestellten Raumgröße ab, außerdem von der Komplexität des verwendeten Raummodells. Sie liegt aber in vergleichbarer Größenordnung wie bei realen Räumen.
Konkret?
Gestatten Sie mir bitte, Ihre Frage zunächst anhand eines Zahlenbeispiels zu konkretisieren.
Jeder Raum kann bekanntlich nur auf jenen Frequenzen Hall ausbilden, bei denen Raumresonanzen (»Moden«) zur Verfügung stehen. Je weniger Nutzsignal "durchs Raster fällt", desto verfärbungsärmer klingt der Hall.
Eine rückgekoppelte Delayline von 1 sec hat eine Eigenresonanzdichte von 1 Hz. Sie kann also Hall ausbilden z.B. bei 98, 99, 100, 101, 102 Hz. Hätte die Delay-Schleife lediglich 0,1 sec, dann wäre deren Eigenresonanzdichte 10 Hz, also z.B. 80, 90, 100, 110, 120 Hz. Würden wir nun aber 10 Schleifen mit durchschnittlich (nicht exakt) 0,1 sec parallel betreiben, die so clever dimensioniert wären, dass die Eigenresonanzen jeder Schleife in die Lücken der anderen fallen, dann hätten wir wiederum eine Dichte von im Mittel 1 Hz.
Worauf ich abziele: um die Eigenresonanzdichte eines Hallgeräts in erster Näherung abzuschätzen, muss man lediglich alle im Algorithmus eingebauten Delaylines aufsummieren, und davon dann den Kehrwert bilden.
Übrigens: in Zeiten, als RAM noch richtig teuer war, genügte meist ein flüchtiger Blick auf die Speicherchips, um die Eigenresonanzdichte eines Hallgeräts abzuschätzen.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann schraube ich beispielsweise den Vintage-QRS auf, finde dort Speicherchips mit 64 kWords, und komme bei dessen Abtastrate von 20 kHz auf etwas über 3 sec. Also liegt die Eigenresonanzdichte des Vintage-QRS bei etwa 0,3 Hz.
Richtig! - Aber Vorsicht, dies gilt nur für die maximale Raumgröße 106m3. Je kleiner die Räume, umso größer werden die Lücken auf der Frequenzachse, und umso metallisch verfärbter klingt dann der Hall.
Wo müsste ich eigentlich ansetzen, um bei einem Badezimmer die Verfärbung weg zu bekommen?
Die Eigenresonanzdichte erhöhen oder, anders gesagt, mehr Delaylines einbauen. Wie bereits oben anhand der Schleifen vorgerechnet: wenn ein 3 m großes Badezimmer keine längeren Delays als 10 ms hergibt, dann können Sie versuchen, die Zahl der parallel laufenden Delaylines zu erhöhen, und deren Laufzeiten von gleichförmigen 10 ms kontrolliert wegzubiegen. Letztendlich führt dies zu den bekannten Hallräumen, bei denen mit schiefen Decken und Wänden sowie mit Diffusoren versucht wird, möglicht viele unabhängige Delaylines in ein vorgegebenes Volumen zu packen.

Photo: Henry Mühlpfordt / flickr.com
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass diese Strategie zwar die Verfärbung reduziert, aber selbst mit Pre- oder Postdelay aus einem kleinen Hallraum keine Kirche zaubern kann. Hierfür "tragen" Delays von 10 ms einfach nicht weiträumig genug; außerdem fehlt diesen kleinen, viel zu wendigen Hallräumen die mit großen Kirchen assoziierte Behäbigkeit.
Jetzt aber zu den Fakten!
Beim QRS-Raummodell COMPLEX und Raumgröße 106 liegt die Summe aller ineinander verschachtelten Delays bei knapp 50 sec - woraus sich per Kehrwert eine Eigenresonanzdichte von 0,02 Hz errechnet. Dies ist 15x dichter als beim Vintage-QRS. Sie können die Verbesserung deutlich hören beim Klavier-Soundclip 010, der die beiden Diffussignale unmittelbar gegenüberstellt.
Eine Eigenresonanzdichte von 0,02 Hz ist unbestritten sensationell; wie aber sieht es bei kleineren Räumen aus?
Bei kleineren Raumgrößen reduziert sich die Eigenresonanzdichte in erster Näherung mit der dritten Wurzel der Raumvolumina. Man könnte auch sagen: linear mit der Kantenlänge.
Bei einem Rückbau von 106 auf 104 also um den Faktor 5. Folglich von 0,02 Hz auf 0,1 Hz, was rein verfärbungstechnisch nach wie vor ein sehr guter Wert wäre.
Bisher war nur vom rechenintensivsten COMPLEX-Raummodell die Rede. Reduziert sich die Eigenresonanzdichte möglicherweise bei MEDIUM und SIMPLE?
Allerdings! - Bei MEDIUM halbiert sich die Eigenresonanzdichte, bei SIMPLE nochmal. Für 104 hätten wir folglich 0,2 Hz bei MEDIUM und 0,4 Hz bei SIMPLE.
Im Vergleich dazu hätte der Vintage-QRS aus dem Jahre 1982 bei 104 etwa 1,2 Hz, könnte quasi als "⅓ SIMPLE" umetikettiert werden. So erklärt sich auch unser Rückbezug auf den Originalalgorithmus von 1982, der bezüglich Grundstruktur und Klangcharakter zwar weiter lebt, heutzutage aber eine drastisch verbesserte Eigenresonanzdichte aufweist (und zudem viele neue Parameter).
Gibt es eigentlich in der Fachliteratur irgendwelche Mindest- oder Richtwerte?
Bei Schröder und Kutruff, den frühen Pionieren des Digitalhalls (Universität Göttingen, um 1960), wird ein Zielwert von 1 Hz genannt. Dies entspricht beim Vintage-QRS in etwa der Raumgrößeneinstellung 1E4, also beispielsweise einem Konzertsaal (10000m3).
Im Vergleich dazu schafft das aktuelle SIMPLE-Raummodell die anzustrebende Eigenresonanzdichte von 1 Hz bereits im Rahmen eines großen Klassenzimmers (500m3), während unser Flaggschiff COMPLEX die 1Hz-Zielvorgabe schon in einer Besenkammer (8m3) erreicht. Es wird wohl wenige reale Räume geben, die mit solchen Werten glänzen können ...
In diesem Zusammenhang bitte ich zu beachten, dass sich die Raumgröße der QUANTEC-Raummodelle keinesfalls ausschließlich aus der Skalierung der Raumvolumina herleitet. Schon allein durch den Einfluss der jeweiligen Diffusoren auf die Raumakustik sind die Zusammenhänge wesentlich komplexer. Nehmen sie eine simple "Raumgestaltungskomponente" wie etwa eine Badewanne, und projizieren Sie dieses Diffusionsobjekt maßstabsgerecht aus Ihrem Badezimmer in die Kathedrale; dann wissen Sie, wie ich das meine ...
Sind die dargelegten Tricks aus der Hallraumkiste möglicherweise auch dafür verantwortlich, wenn beim Yardstick, anders als beim Vintage-QRS, auch die kleinen Räume musikästhetisch sauber, also nicht metallisch verfärbt klingen?
Genauso ist es!
www.quantec.com/?id=faq069
Jun 2011, aktualisiert Aug 2011
Wenn Sie mehr über das grundlegende Konzept der SIMPLE-, MEDIUM- und COMPLX-Plug-ins erfahren möchten, dann empfehlen wir Ihnen FAQ 012 ...

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