Erfinder, Kopf und Motor
Ohne jemals studiert zu haben, überraschte er 1982 die Audio-Szene mit dem QUANTEC QRS, einem digitalen Hallgerät, das weltweit zu den all time favorites der Branche zählt, und längst Legende wurde. Voraussetzung für Geräteentwicklungen dieser Dimension ist eine lebenslange Beschäftigung mit Musik und Elektronik. Vermutlich war die Kindheit im einsamen Nordschwarzwald nicht ganz unbeteiligt an seiner Entwicklung, denn wenn es kaum Nachbarkinder zum spielen gibt, muß man sich irgendwie anderweitig beschäftigen.
Geboren 1954, studierte er bereits im zarten Alter von 4 Jahren - dank der mittlerweile mit Hilfe des geduldigen Vaters erworbenen Lesekenntnisse - in einschlägigen Katalogen den Märklin-Metallbaukasten. Das war's! Zuerst nur von dem beiliegenden echten Schraubenzieher angetan, später dann von Elektromagneten und -motoren, sollte dieses Spielzeug für die nächsten Jahre seine Lieblingsbeschäftigung werden. Gerade 6 geworden, radelte er begeistert zur wöchentlichen Klavierstunde, und mit 10 Jahren hatte er sich mit seinem Lötkolben bereits in sämtlichen Tischdecken des Elternhauses verewigt. Exakt jener Mix aus Kunst und Technik führte dann zwangsläufig zum Schlüsselerlebnis - hier im O-Ton aus einem Interview:
»Einige wissen vielleicht, dass ich als 12 oder 13-jähriger Bub eine Zeit lang sonntags als Kirchenorganist mein Taschengeld verdienen musste. Die echten Highlights gab's aber unter der Woche. Der Pfarrer hatte mir erlaubt, abends stundenlang alleine in der grossen dunklen Kirche an der Orgel sitzen zu dürfen, links und rechts zwei kleine Funzeln. So konnte ich mich nach Herzenslust akustisch austoben. Ich habe mit gedackten Flötentönen experimentiert und mit grell schnarrenden Zungenpfeifen, habe versuchsweise die Taste ganz langsam nach unten geschoben, was bei der mechanischen Traktur "meiner" Goll-Orgel wunderschöne und grauenhaft verstimmte Anblasgeräusche erzeugt hat, habe Triller auf die Reise durch den Raum geschickt, und gelauscht, gelauscht, gelauscht. Seit jenen Tagen bin ich mir ziemlich sicher, wie sich natürlicher Kirchenhall anfühlt.«
Anders als die meisten seiner Kollegen hält Buchleitner Prototypen schlichtweg für überflüssig. Getreu seinem Wahlspruch »do it right the first time« sieht er in Prototypen lediglich »Armutszeugnisse unkonzentrierter Entwicklerdilettanten.« Sein Maßstab ist es, Pläne für neue Geräte direkt umzusetzen - quasi aus der Idee heraus direkt die Dokumentation mit hunderten verschiedener Teile für die Serienproduktion zu erstellen. Da dies bislang nur bei der Hälfte der Konstruktionen gelingt, ist er noch nicht zufrieden: »Schließlich muß ich gegen 10 Japaner anstinken.«